Aachener Skulpturen reisen nach Löwen

Aachener Skulpturen reisen nach Löwen

Donnerstag, 31. August 2017 — Die Vorbereitungen der Ausstellung „Über die Grenze hinweg. Mittelalterliche Bildhauerkunst aus den Niederen Landen“ sind in vollem Gange. Insgesamt ziehen rund 95 Skulpturen des Suermondt-Ludwig-Museums in Aachen ins M-Museum Leuven um. Eins der Werke ist ein zentnerschweres Petrus-Altarretabel. Die filigranen hölzernen Details werden vor dem Auszug nach Löwen sorgfältig eingepackt. Das Aachener Museum gewährt uns einstweilen einen Blick hinter die Kulissen.

Das Petrusretabel kommt nach Löwen

Im Mittelalter gab es in Löwen mehrere Petrusretabel zur Verehrung des Schutzheiligen der Stadt. Heute sind sie eher selten. Dank dieser Ausstellung kommt endlich wieder einmal ein Petrusretabel nach Leuven/Löwen. Und der Transport ist durchaus als Husarenstück zu bezeichnen. Der Altaraufsatz wiegt fast 200 kg und ist unhandlich zu transportieren. Zudem besteht er aus vielen filigranen Details, die nach fünf Jahrhunderten nicht mehr ganz so festsitzen. Das hölzerne Altarbild strotzte einst von Farben und Gold und zeigt in drei Gefachen die Legende des heiligen Petrus. Es ist reich verziert und der Rand ist von gewundene Weinranken voller Trauben bedeckt. Michael Rief, stellv. Direktor Suermondt-Ludwig-Museum: "Das imposante Altarretabel mit Szenen zur Petruslegende ist das einzige großformatige Beispiel, das den protestantischen Bildersturm in den Nördlichen Niederlanden überlebt hat. Es entstand um 1500-1510 und wurde von zwei Schnitzern einer Werkstatt, die im Herzogtum geldern angesiedelt war, hergestellt. Die Polychromie wurde im 19. Jahrhundert entfernt und die Flügeln gingen leider verloren. Das Retabel stammt möglicherweise aus der Petruskirche in Venray (Prov. Limburg). 1908 wurde es an einen englischen Händler oder Sammler verkauft. 1908 hat das damalige Suermondt-Museum das Stück im Berliner Kunsthandel gekauft." Entsprechend werden alle notwendigen Vorkehrungen für den optimalen Verlauf der Reise von Aachen nach Löwen getroffen.

Internationale Zusammenarbeit

Das Retabel ist nur eins der 95 Stücke, die von Aachen nach Leuven/Löwen reisen. Das Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen ist nämlich im Besitz der größten Sammlung mittelalterlicher Bildhauerkunst in Deutschland. Weniger bekannt allerdings ist seine Sammlung von Skulpturen aus den Niederen Landen. Aus diesem Grund ging M-Museum eine langfristige Kooperation mit dem Aachener Museum ein. Peter Carpreau, Konservator Alte Kunst des M-Museums Leuven und Ko-Kurator der Ausstellung: „M möchte der internationale Katalysator für die Erforschung der mittelalterlichen Bildhauerkunst sein. In 2014 haben wir schon den ersten Schritt gemacht, indem wir das Expertisezentrum für mittelalterliche Bildhauerkunst ARDS gegründet haben. Mit dieser Ausstellung setzen wir einen weiteren wichtigen Schritt in diese Richtung. Auf diese Weise erhält die Bildhauerkunst der Niederen Lande international die Aufmerksamkeit, die sie verdient.“ Für Peter Bary, Direktor des M-Museums Leuven, ist es außergewöhnlich, dass eine vollständige Museumskollektion auf diese Weise erforscht, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und gezeigt werden kann: „M hat eine Sammlung spätgotischer Bildhauerkunst von internationaler Spitzenqualität mit u. a. Prunkstücken wie den Werken des Brüsselers Jan Borman. Die Zusammenarbeit ermöglicht nicht nur neue Einsichten in unsere ständige Sammlung, sondern die Forschung stärkt auch die Rolle von M als internationalem Expertisezentrum.“ Michael Rief: "Das Projekt wurde großzügig durch die Peter und Irene Ludwig Stiftung und ihre Geschäftsführerin Frau Dr. Brigitte Franzen unterstützt. Die Stiftung finanzierte die Reinigung der Skulpturen sowie alle konservatorischen Maßnahmen, die neuen digitalen Aufnahmen, die Anfertigung der Zustandsprotokolle und die Erstellung des Kataloges (265 Seiten). Dieser Katalog behandelt den kompletten Bestand an niederländischen Skulpturen der Aachener Sammlung, und er ist zugleich ein Handbuch für die Ausstellung."

Praktische Informationen

Die ersten Ergebnisse der Zusammenarbeit werden in der Übersichtsausstellung „Over de grens. Middeleeuwse beeldhouwkunst uit de Lage Landen”, die vom 22. September 2017 bis zum 27. Mai 2018 im M-Museum Leuven zu sehen sein wird, zum ersten Mal gezeigt.

Kuratoren: Marjan Debaene & Peter Carpreau (M-Museum Leuven)

Eine Initiative des Ards, Expertisezentrum für mittelalterliche Bildhauerkunst, auf der Grundlage seiner Forschungsergebnisse in Zusammenarbeit mit dem Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der auf Deutsch erhältlich sein wird.

 

Vorbereitung Petrusretabel Suermondt-Ludwig-Museum Aachen<br/>Foto: Veerle Ausloos
Vorbereitung Petrusretabel Suermondt-Ludwig-Museum Aachen<br/>Foto: Veerle Ausloos
Vorbereitung Petrusretabel Suermondt-Ludwig-Museum Aachen<br/>Foto: Veerle Ausloos
Vorbereitung Petrusretabel Suermondt-Ludwig-Museum Aachen<br/>Foto: Veerle Ausloos
Vorbereitung Petrusretabel Suermondt-Ludwig-Museum Aachen<br/>Foto: Veerle Ausloos
Petrusretabel C.1500-10 © SUERMONDT-LUDWIG-MUSEUM
Petrusretabel C.1500-10 © SUERMONDT-LUDWIG-MUSEUM
Petrusretabel C.1500-10 © SUERMONDT-LUDWIG-MUSEUM